15.02. Opfermythen überwinden – 22.04. Befreiung fortsetzen

Seit 2010 versuchen Nazis am 15. Februar in Cottbus aufzumarschieren. Immer wieder haben wir von Cottbus Nazifrei uns ihnen mit Menschenblockaden in den Weg gestellt. Dieser Widerstand hat sich gelohnt. Im letzten Jahr ist der Naziaufmarsch zu einer kleinen Kundgebung zusammengeschrumpft und auch in diesem Jahr ist nicht mehr viel von ihnen zu erwarten. Damit sinkt auch die politische Bedeutung des 15. Februar und wir können uns verstärkt gegen das Erstarken der Neuen Rechten und für eine andere Gedenkpolitik in Cottbus einsetzen. Den 22. April 1945 als Tag der Befreiung von Cottbus wollen wir in Zukunft stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.

Am 15. Februar 1945 wurde Cottbus durch die Alliierten bombardiert. Der ca. 1000 Toten wird jährlich in der Lutherkirche gemäß christlicher Tradition gedacht. Zivile Opfer, egal welcher Seite, sind das Ergebnis jeden Krieges und können individuell betrauert werden. Deutsche Opfermythen sollten aber dennoch nicht Teil der Gedenkpolitik sein. Cottbus war nie ein ziviles Ziel, sondern leistete durch in der Stadt ansässige Industrien einen aktiven Beitrag zum Krieg. So wurden unter anderem tausende Panzerkettenfahrzeuge und Flugzeuge, auch Bomber, hier in Cottbus produziert. Der Bahnhof spielte mit dem Näherkommen der Roten Armee für die Truppenbewegungen der Wehrmacht eine strategisch wichtige Rolle. Der Krieg kehrte dorthin zurück, wo er hergekommen war.

Am 22. April 1945 nahm die Rote Armee die Stadt Cottbus nach geringen innerstädtischen Kampfhandlungen ein. Rund 2.500 Soldaten fielen in den Kämpfen in und um Cottbus. In der Stadt lebten zu diesem Zeitpunkt weniger als 10.000 Menschen. Für die ca. 5000 Zwangsarbeiter*innen und Gefangenen bedeutete der militärische Sieg der Roten Armee eine Befreiung. Heute verstehen wir unter Befreiung die Auseinandersetzung mit den Elementen des Faschismus, wie Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus. Diese Elemente erstarken europaweit und sind in Deutschland mit dem Aufstieg der AfD und PEGIDA besonders spürbar.

Der 22. April 1945 hat uns gezeigt, dass wir dem Faschismus nicht ohnmächtig gegenüber stehen. Dieser Tag hat uns die Chance für eine friedliche Zukunft eröffnet. Es liegt heute an uns eine Zukunft ohne Krieg und Faschismus zu gestalten.

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