Der Kindertag mit Cottbus Nazifrei!

Die AfD Cottbus hat diesen Mittwoch zu einer Diskussion mit dem sehr ergebnisoffenen Titel „AfD – Notwendiges Korrektiv oder Schreckgespenst“ eingeladen. Auch wenn diese Einladung nicht persönlich an Cottbus Nazifrei! geschickt wurde, so haben wir sie doch gerne angenommen. Zur Teilnahme musste man sich vorher per E-Mail anmelden. Unverständlicherweise erhielten viele von uns keine Bestätigung, deswegen mussten wir vor dem Gebäude an der Debatte teilnehmen.

Um 18 Uhr platzierten wir uns mit Soundanlage, Bannern und Plakaten auf dem Erich-Kästner-Platz. Nachdem es am Himmel lange Zeit nach einem Unentschieden zwischen Sonnenschein und Gewitterfront aussah, zog dann doch noch ein heftiger Schauer über uns hinweg, den wir mit unseren ersten Mitstreiter*innen unter dem Vordach des Piccolo-Theaters überstanden. Nachdem sich der Himmel dann nach und nach wieder aufhellte, wuchs auch unser Protest auf ca. 100 Menschen an.

Passend zum Kindertag verwandelten wir den Eingangsbereich zum Stadthaus in eine Spielwiese. Neben Tischtennis, Kicker und Riesen-Jenga wurde „Volker-Ball“ gespielt, eine Weiterentwicklung des „Völker-Balls“. Volker, der Schiedsrichter, bestimmt alle Regeln. Seltsamerweise wurde die Mannschaft der Weißen und der Männer immer wieder bevorteilt. Bei den Fans der anderen Mannschaften sorgte es für Empörung, als das Spielfeld sich verkleinerte und Punkte nicht gezählt wurden. Doch Volker hat immer Recht und wer nicht in seiner Gunst steht, hat eben Pech gehabt. Als Preis gab es dann natürlich Kinderschokolade für alle.

Die meisten der Besucher*innen der AfD-Veranstaltung schlichen sich an uns vorbei durch den Hintereingang ins Stadthaus – ebenso der „Star“ des Abends Alexander Gauland. Mit ca. 200 Teilnehmer*innen war der Saal zu ca. ¾ gefüllt. Darunter waren Andreas Kalbitz, Vertreter*innen von Zukunft Heimat aus dem Spreewald, einige ehemalige CDU-Funktionäre und die üblichen Cottbuser Facebook-Trolls. Die Fangemeinde lauschte den Ausführungen von Gauland, Patzelt und Spring andächtig. Vor allem bei Werner Patzelt hatten einige aber offensichtlich immer wieder Konzentrationsschwierigkeiten.

Gaulands Nachbarschafts-Aussage zu Jérôme Boateng wurde nicht thematisiert, stattdessen wurde über die Kreisgebietsreform und die Einwanderungsländer USA, Kanada und Neuseeland gesprochen. Die Schaffung einer Grenzfestung in Kombination mit einer gezielten Selektion von Menschen anhand ihrer wirtschaftlichen Verwertbarkeit schwebt dem 75-Jährigen Gauland vor. Dass dieser Nützlichkeits-Rassismus verheerende Folgen für das Leben von Menschen diesseits und jenseits der Grenzbefestigungen hat, kann mit einer ordentlichen Dosis Empathielosigkeit schon verkraftet werden. Er selbst muss ja in dieser unmenschlichen Welt nicht mehr lange leben und den Fans redet man einfach ein, dass Muslim*innen, Flüchtlinge und Nordafrikaner*innen eigentlich auch gar keine so wertvollen Menschen sind. Einmal fremd, immer fremd – aber mit Rassismus hat das ganze natürlich nichts zu tun…

Währenddessen beteiligten wir uns an dieser Debatte im Eingangsbereich des Stadthauses mit unseren mitgebrachten Vuvuzela-Tröten und Luftschlangen. Auch im Saal war dies nicht zu überhören. Für Gauland handelte es sich dabei um „das übliche Grundrauschen bei unseren Veranstaltungen“. Bei der wie immer sehr dünnhäutigen Marianne Spring sorgte dies für den inzwischen schon traditionellen Wutausbruch. Schlimm sei das, so wie in der Vergangenheit, als die bösen Linksextremisten die AfD-Infostände in Cottbus angegriffen hätten. Wahrscheinlich meinte sie damit die Szene vom 7. Mai 2014 vor dem Blechen Carré-Einkaufszentrums. Die Anwesenheit von einer handvoll diskussionsbereiter Kritiker*innen brachte Marianne Spring so zur Weißglut, dass nicht nur ihr Parteikollege Steffen Königer von ihr genervt war, sondern auch der Betreiber des Einkaufszentrum. Dieser hatte sie dann gebeten ihr Zeug zusammenzupacken und ihm nicht die Kundschaft zu vergraulen.

Aber nochmal kurz zurück zum Mittwoch… Nach längerer Debatte konnte man sich drinnen mithilfe des wissenschaftlichen Rates von Werner Patzelt nochmal gegenseitig versichern, dass die AfD kein „Schreckgespenst“ ist sondern ein „notwendiges Korrektiv“. Wir bekamen dagegen draußen noch einen interessanten Input zur verlogenen Sozialpolitik der AfD, die vor allem für untere Bevölkerungsschichten weitere Einschnitte bedeuten würde. Wir waren uns deswegen ziemlich einig, dass wir kein Bock haben in so einer rassistisch und sozial gespaltenen Gesellschaft zu leben.

Viele der Gäste der Veranstaltung verließen das Stadthaus wieder durch die Hintertür. Weil die angereiste Vertreterin des Antifa e.V. am Vordereingang noch eine längere Diskussion mit einem sehr ernstzunehmenden Speditionsunternehmer aus Cottbus führte, verzögerte sich leider die Auszahlung des Demogeldes.

Bis zum nächste Mal.

Fotos unserer Kundgebung findet ihr auf unserem Flickr-Stream

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