PM: Erfolgreiche Proteste in Cottbus gegen verschwindend geringe Anzahl Neonazis

Pressemitteilung von Cottbus Nazifrei! – 15. Februar 2015

Das Bündnis Cottbus Nazifrei! bedankt sich bei allen Unterstützer*innen, die es ermöglicht haben, die Neonazis wieder aus der Stadt zu protestieren. Insgesamt nahmen mehr als 1.500 Menschen an den Protesten teil, rund 800 in verschiedenen Blockadeaktionen. Nach den erfolgreichen Protesten der letzten Jahre haben die Neonazis in diesem Jahr schon nicht mehr versucht überhaupt eine Demonstration anzumelden. Zu der stattdessen geplanten Kundgebung fanden sich lediglich 50 Neonazis ein, damit hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert. Dass die Neonazis ihren Kundgebungsort überhaupt erreichen konnten, ist auch dem Einsatz von Polizeigewalt geschuldet – eine Person liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

„Unser langer Atem hat Erfolg. Wieder haben wir die Neonazis aus der Stadt protestiert. Die Zivilgesellschaft stellt sich immer breiter und mit vielfältigeren Aktionen gegen die Umdeutung der Geschichte.“ erklärt Jakob Lupus von Cottbus Nazifrei. „Um es mit Richard von Weizäcker zu sagen: ‚Das Ende des Krieges war keine Niederlage, sondern eine Befreiung!‘ Gerade am 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau müssen wir diese einfache Botschaft immer wieder deutlich machen. Der Bombenangriff auf Cottbus war kein singuläres Ereignis, er war Teil des Kampfes gegen ein verbrecherisches System.“

Das Bündnis Cottbus Nazifrei! kritisiert in diesem Jahr vor allem das rabiate Vorgehen der Polizei. „Eine Person musste als Folge des rabiaten Vorgehens der Polizei notoperiert werden und liegt nun mit mehrfach gebrochenem Arm stationär im Krankenhaus. Für uns ist das Verhalten der Polizei in diesem Jahr ein Skandal“, so Lupus weiter. Erschreckend ist vor allem, dass sich die Person zu der Zeit auf einer angemeldeten Demoroute befand. Dieses Vorkommnis blieb leider kein Einzelfall, sondern beschreibt das generelle Verhalten der Polizei am Tag. Wir bitten alle Betroffenen und auch Zeugen sich bei uns zu melden.

Cottbus war im Zweiten Weltkrieg ein strategischer Verkehrsknotenpunkt für die nahende Ostfront und Standort zweier großer Rüstungswerke, den Focke-Wulf-Werken am Flugplatz und die Mechanischen Werke am Merzdorfer Weg, in den Panzerkettenfahrzeuge hergestellt wurden. Der „totale Krieg“ erreichte Cottbus am 15.2., aber er war eben noch nicht beendet. Cottbus wurde noch zur Festung erklärt und der Krieg endete für die Stadt erst am 22. April 1945, dem Tag der Befreiung.

Zu diesen Hintergründen wird es vom 22. April bis zum 8. Mai 2015 im Rahmen einer Aktionswoche zahlreiche Veranstaltungen, wie einen Täterspaziergang und Ausstellungen geben.

Hintergrund:
Die Neonazis hatten sich in diesem Jahr am Bahnhof getroffen. Lange blieb unklar, wie sie überhaupt zu ihrem Kundgebungsort gelangen sollten, da auf dem Weg dorthin zahlreiche Protestkundgebungen und Demonstrationen statt fanden. Die Neonazis wurden in Kleingruppen aufgeteilt, durften auf dem Weg zum Kundgebungsort weder Transparente noch andere Demonstrationsmittel nutzen und mussten großenteils auf dem Bürgersteig laufen.

Eine vollständige Liste der Unterstützer*innen von Cottbus Nazifrei! sowie alle weiteren Informationen sind auf der Internetseite www.cottbus-nazifrei.info zu finden.

Weitere Informationen zu aktuellen Veranstaltungen und Aktionen am 15. Februar gibt es auf der Homepage des Bündnisses (cottbus-nazifrei.info) oder auf Facebook (fb.com/cottbus.stellt.sich.quer).

Ansprechpartner:
Jakob Lupus aus dem Sprecher*innenrat
Telefon: 0152-23631243
Email: kontakt@cottbus-nazifrei.info

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